Bad Homburg, 03.09.2017, von Jessica Kempf

Wickie und die starken Männer in blau – oder „Ein Festwagen entsteht“

Vom 01.-04.09.2017 feierte die Stadt Bad Homburg wieder ihr traditionelles Laternenfest. Wie jedes Jahr gab es auch einen Festumzug, an dem die THW-Jugend mit einem selbst gebauten Motivwagen teilnahm.

Wie alles begann

Bereits Anfang Mai ist es klar: Die THW-Jugend des OV Bad Homburg/Oberursel möchte sich auch 2017 wieder mit einem Motivwagen am Laternenfestumzug beteiligen. Schnell steht fest, dass der Wagen dieses Jahr mit Hilfe weiterer Personen aus dem Kreis der aktiven THWler und anderer Interessierter gebaut werden soll. Es fand sich sehr schnell eine Gruppe von ca. 20 Personen zusammen, die dieses Generationenprojekt begleiteten und durchführten.

Das Laternenfest steht unter dem Motto: „Helden der Kindheit“. Die Überlegungen beginnen: Welchen Helden wollen wir darstellen? Es soll spektakulär werden, vielen Junghelfern die Möglichkeit geben, auf dem Wagen mitzufahren und alle Generationen sollen den Helden kennen. Es wird hin und her überlegt, Ideen entwickelt und wieder verworfen. Am Schluss steht fest, wir wünschen uns Wickie und bekommen bei der Themenvergabe auch den Zuschlag!

Die Umsetzung

Am 31. Mai trifft sich das Bauteam bereits ein erstes Mal und bespricht die Baupläne. Eine Bauanleitung für ein Sandkasten-Wikingerschiff bildet die Grundidee und wird auf die Maße des zur Verfügung stehenden Anhängers angepasst.

Am darauffolgenden Samstag wird es konkret und als Erstes werden die Umrisse des Drachenkopfes und Schwanzes mit Hilfe eines Overheadprojektors von einigen Helfern auf Holzplatten übertragen und ausgesägt. Andere Wagenbauer bereiten die Grundkonstruktion des Bugs und Hecks aus Dachlatten vor. Auch die Schilde die später an der Bordwand montiert werden sollen und die Motivplatte mit dem Wickiebild werden vorbereitet und gemeinsam von allen Helfern bunt bemalt.

Mitte Juni kommt der, wie jedes Jahr, uns zur Verfügung gestellte  Anhänger auf den Hof des THW OV gefahren. Da dieser noch mit Seitenwänden und einem Dach versehen ist, wird bei den nächsten Terminen diese Konstruktion mit Hilfe von schwerem Gerät abgenommen.

Endlich kann das Grundgerüst des Schiffes auf dem Anhänger montiert werden: Heck und Bug werden an ihrem vorgesehenen Platz montiert und durch die Reling ergänzt. Zeitgleich wird ein Stahlgestell konstruiert, an dem der Mast des Schiffes montiert wird. Dies ist nötig, da durch die finale Gesamthöhe von ca. 6 Metern der Mast umlegbar sein muss, da auf der Zugstrecke die S-Bahnbrücke in der Frankfurter Landstraße und die Hochspannungsleitung der U-Bahn in Ober-Eschbach unterfahren werden müssen.

Das Bauteam trifft sich von jetzt an fast jeden Mittwoch, Freitag und Samstag. Es wird geschweißt, gebohrt, geschraubt, getackert, gesägt, gemalert… Ideen werden entwickelt und wieder verworfen und das Wikingerschiff nimmt zusehends Gestalt an. Ein Abgasschlauch wird im Hals und Kopf des Drachen montiert, denn der Drache soll Rauch speien können, und die Augen werden mit LED-Lichtern ausgestattet.  Die Seiten des Schiffes werden mit Planken versehen und lackiert,  die spätere Optik des Schiffes kann man jetzt bereits erahnen.

Der Feinschliff

Nun ist es an der Zeit, sich über Kostüme, Segel und Beleuchtung Gedanken zu machen. Also los geht es zum Einkaufen. Wir brauchen unter anderem viele Meter Stoff und weit über 60 Meter Lichtschlauch. Aus Gipsbinden werden die Wikingerhelme passgenau auf die einzelnen Akteure angepasst. Zwischenzeitig ist es August geworden und die Konturen des Schiffes werden mit Lichterschläuchen optisch hervorgehoben. Auch das Segel wird mit vier Lichternetzen zum Leuchten gebracht. Die Musikanlage wird montiert und unter dem Meer aus blauen Mülltüten regensicher verpackt.

Wir sind auf der Ziellinie! Unser Festwagen ist fertig! Nach 3,5-monatiger Bauzeit können wir am 30. August unser Werk der begeisterten Laternenkönigin Anna I. und ihrer staunenden Abordnung des Laternenfestvereins präsentieren. 

Am Abend des Laternenfestfreitag kommt auch der langersehnte Traktor als Zugfahrzeug, das direkt mit dem Aggregat zur Stromversorgung des Anhängers beladen wird und dann noch im Wickie/THW-Design schick gemacht wird. Der Laternenfestumzug kann kommen…

Der Laternenfestumzug

…und dann ist es soweit. Etwa drei Stunden vor dem offiziellen Abmarsch treffen sich die THWler, um sich für den Festzug bereit zu machen. Die Kostüme werden angelegt und letzte kleine Details abgearbeitet. Verpflegung muss noch auf den Wagen, der Notfallrucksack soll mit auf das Schiff und bitte die Kiste mit den Utensilien für kleine Reparaturen nicht vergessen. Jetzt kann es losgehen und wir machen uns auf den Weg zur Startaufstellung. Dort angekommen wird unser Boot für den Umzug gerichtet, da einzelne Elemente erst jetzt montiert werden können. Also den Unterfahrschutz einhängen, die Blinklichter befestigen und die Knicklichter aktivieren. Um 20:30 Uhr setzt sich der Zug in Bewegung. Es herrscht eine ausgelassene Stimmung auf dem Wagen und am Straßenrand. Die Zuschauer signalisieren uns mit viel Applaus und erhobenen Daumen, dass sich die Arbeit der letzten Wochen gelohnt hat. „Super Wagen!“,  „Ihr seht toll aus!“, „Sehr schön!“, diese Ausrufe hören wir immer wieder. Über so viel Lob und Anerkennung freuen wir uns sehr und es macht uns auch ein wenig stolz. 


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