Notseilbahn als zweiter Rettungsweg

Im Jahre 1995 kam das Amt für Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz des Hochtaunuskreises auf uns zu, ob wir eine Möglichkeit hätten, einen temporären 2. Rettungsweg auf der Burg Königstein, bei Veranstaltungen ab 1.000 Besucher die sich gleichzeitig auf der Burg aufhalten, zu errichten.

Hintergrund:

Beim Burgfest 1994 ereignete sich ein tragischer Unfall mit Todesfolge. Ein 19-jähriger Mann stürzte von einer Mauer in die Tiefe. Schon an den vergangenen 2 Vortagen hatten sich Abstürze ereignet (Quelle: Taunus Zeitung vom 29. August 1994).

Um die Abstürze zu verhindern werden Absperrgitter an den kritischen Stellen aufgestellt. Die Grundsätzliche Problematik auf der Burg liegt darin, dass nur ein Zugangsweg auf die Burg existiert. Bei starkem Besucherverkehr ist dieser Weg mit Besuchern gefüllt. Bei einem medizinischen Notfall besteht keine Möglichkeit mit einem RTW oder NEF auf oder von der Burg zu gelangen. Geschieht dieses Szenario auf dem oberen Burghof so muss die betroffene Person ca. 400 Meter zum RTW getragen werden.

Um in solch einem Fall einen schnellen Abtransport von der Burg zu Gewähr leisten wurde eine Notseilbahn von uns dafür entwickelt. Die Notseilbahn führt über eine Distanz von ca. 50 Meter direkt vom Burghof auf die Zufahrtsstraße. Hierbei ist ein Höhenunterschied von ca. 17,0 Meter zu überwinden.

Drei Probleme galt es dabei zu lösen:

  1. Die übliche THW-Variante, Holzdreibock oder Holzportal (am Kopfpunkt), war aus statischen Gründen nicht relevant.
  2. Am Fußpunkt war zwar ein geeigneter Baum von Stärke (ca. 45 cm) und Position vorhanden. Aber am Kopfpunkt war keine Verankerungsmöglichkeit gegeben.
  3. Das übliche Greifzugseil (50 Meter) war zu kurz.

Für das 1. Problem konstruierte uns die Fa. Layher ein Portal aus dem Allround-Gerüstsystem mit entsprechender Statik.

Das zweite Problem lösten wir durch Setzen von zwei Erdankerplatten (aus dem Schwimmbrückenbau) mit einer maximalen Lastaufnahme von je 54 kN (fester Boden). Da das Setzen der Ankerplatten sehr aufwändig war wurde im Folgejahr eine Kopfpunktverankerung aus Beton und Stahl, als Dauerlösung, im Burghof eingebaut.

Durch Beschaffung eines 100 Meter langen Greifzug-Seiles konnte das Problem Nummer drei gelöst werden.

Der Schleifkorb, der zur Aufnahme einer verletzten Person dient, wurde anfangs mittels Seilbahngehänge (Bestandteil der Ausstattung des TZ) zum ablassen eingesetzt. durch den zusätzlichen Einsatzes eines Auffangseiles konnte das Seilbahngehänge nicht mehr verwendet werden. Hier wird jetzt eine Spezialkonstruktion, bestehend aus zwei Tandemrollen und einem Karabinerhaken (Teile aus der ASS-Ausstattung) eingesetzt. Zwangsweise musste dadurch auch die Schleifkorbaufhängung geändert werden. Hier werden jetzt aus der gleichen Ausstattung Verbindungsmittel auf textiler Basis eingesetzt.

Das Ablassen des Schleifkorbes erfolgt mittels Rollgliss 300. Zur Führung des Schleifkorbes werden zwei 55 Meter Kernmantelseile eingesetzt.

Im Einsatzfall wird die Notseilbahn ausschließlich durch geschultes Personal des Deutschen Roten Kreuzes Königstein bedient.

Um die richtige Drahtseilspannung zu erzielen wird seit 2000 am Kopfpunkt ein Zugkraftmessgerät zwischen Festpunkt und Greifzug eingebaut. Das Drahtseil wird mit ca. 600 daN vorgespannt. Somit ist die zulässige Zugkraft von 1.000 daN, die für den Personentransport, mit dem Greifzug, nicht überschritten werden darf, eingehalten. Sollte das Greifzug-Gerät einmal versagen, so wird das Seil durch den eingebauten Blockstopp, aufgefangen.

In den ersten Jahren nach 1995 fand nur das Burgfest mit entsprechenden Besucherzahlen, einmal jährlich, auf der Burg statt. Im Laufe der Zeit kamen weitere Veranstaltungen hinzu bzw. wurden die Auflagen, im Bezug auf Besucherzahlen, verschärft, sodass die Notseilbahn mehrmals im Jahr aufgebaut werden muss. Der Aufbau erfolgte bisher insgesamt 16 Mal.

Glücklicherweise wurde die Notseilbahn bisher noch nicht benötigt.

Für die Notseilbahn wurde eine Technische Dokumentation (TeDok) gemäß QMH 02.01 erstellt.

Text: Wolfgang Reuber
Fotos: Daniel Krebs

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