Bad Homburg 23.04.2005

Unfall mit Zug - 4. Ausbildungstag

Das Eindringen in Bahnfahrzeuge erfolgt nach vier Kategorien:

  1. über die Türen - Notöffnung von außen oder auch innen
  2. über die Seitenscheiben (m. Rettungsgerät)
  3. über den Doppelwellenbalg (mit Rettungsgerät)
  4. an anderer Stelle (mit Rettungsgerät)

Innerhalb des 3. Ausbildungstages wurde schon der Punkt 1 behandelt. Am 4. Ausbildungstag erfolgte nun die Ausbildung zu Punkt 2 und 4 unter Verwendung von Rettungsgeräten. Zu den weitere Ausbildungsinhalte an diesem Tag gehörte der Bau auf Zeit der Arbeitsplattform und des Schienenwagens.

Begonnen wurde der Ausbildungstag mit einer theoretischen Unterweisung zu den Eindringmethoden durch den Projektleiter Wolfgang Reuber.

Bei der Vielfalt von Bahnfahrzeugen trifft man auf die unterschiedlichsten Materialarten und Materialstärken. Dies reicht bei den Fensterscheiben von 7 bis 37 mm in verschiedenen Bauformen und im Bereich des Aufbaues, bei unterschiedlichen Materialien wie Alu-, Stahl- und Edelstahlblech, in Stärken, inkl. der Rippen von 3 bis 90 mm. Nicht zu vergessen ist die Isolation und die Innenverkleidungen. Aufgrund der dargestellten Materialien und ihre Stärken ist ein Eindringen durch die Metallteile eines Bahnwagons als letzte Möglichkeit in Erwägung zu ziehen.

Eindringen durch die Fensterscheiben (2.)
Bei normalen Triebzügen (nicht ICE) trifft man in der Regel auf Fensterscheiben mit einer Stärke zwischen 2x6 bis 20 mm. Hier kann man in aller Regel die Scheiben mit einer Rettungsaxt zerschlagen. Bei einem ICE jedoch trifft man auf Scheiben zwischen 18 und 37 mm (je nach ICE-Typ). Hier kann ein Eindringen in der Regel nur mit dem Trennschleifer (vorzugsweise Motortrennschleifer) erfolgen. Der Einsatz von Spezialtrennscheiben (segmentierte Diamantscheiben) und die genaue Beachtung der Unfallverhütungsvorschriften und des Brandschutzes genießt hier oberste Priorität.

Eindringen durch Blechteile (4.)
Wie schon in der Einleitung beschrieben treffen wir hier auf die unterschiedlichsten Materialien. Der Einsatz des Spreizers mit Schälsatz erzielt hier einigermaßen gute Ergebnisse*. Vorteilhaft ist es hier sich vorab Spreizeröffnungen (Durchmesser ca. 50 mm) zu schaffen. Allerdings ist es unerlässlich, aufgrund der Materialvielfalt und der Verstärkungsrippen auch andere Werkzeuge einzusetzen. Unfallverhütungsvorschriften und Brandschutz haben hier ebenso einen hohen Stellenwert.

*Ein Einsatz an realen Bahnfahrzeugen war nicht möglich, da keine Bahnfahrzeuge zur Verfügung standen. Um einigermaßen in Realitätsnähe auszubilden wurden Motorhauben von Fahrzeugen verwendet. Hier sind außer dem Deckblech auch Metallrippen und Dämmmaterial vorhanden. Die Aussagen zur Eindringmethode sind deshalb nur begrenzt aussagekräftig.

Das Kantenschutzmanagement (das absichern der scharfkantigen Schnittflächen, die durch das Öffnen entstanden sind) genießt hier für zu rettende und Retter eine hohe Bedeutung. Der Einsatz von Heizungsisolationsrohren aus Hartschaum unter Verwendung von unempfindlichen Klebebändern mit hoher Klebekraft sind hier hilfreich.

Ebenfalls wurde das Einsatzstellenmanagement (Einteilung der unmittelbaren Einsatzstelle in Wirkungs- und Bereitstellungsräume - roter und gelber Bereich) angesprochen und im praktischen Teil auch umgesetzt.

Durch die Dimensionen von Bahnwagons kann ein Eindringen durch Fensterscheiben bei nicht umgestürzten Wagons nur über Arbeitsbühnen erfolgen. Die Arbeitsbühne ist deshalb ein wichtiger Bestandteil zur Arbeitssicherheit beim Eindringen in Bahnwagons.

Da oftmals die Bahnunfälle nicht an direkt zugänglichen Stellen sind kann es erforderlich sein, dass das notwendige Gerät, aber auch die Verletzten oder auch Tote über längere Strecken zu transportieren sind. Hier bedient man sich des Schienenwagens.

Die hier eingesetzte Arbeitsplattform und der Schienenwagen sind Entwicklungen anderer THW-Ortsverbände. Beide Objekte wurden modifiziert, damit sie miteinander kompatibel sind. Außerdem wurde eine logistische Variante entwickelt, die einen Soforteinsatz jederzeit ermöglicht. Ein detaillierter Bericht über die Arbeitsplattform bzw. den Schienenwagen erfolgt nach Abschluss aller Erprobungsmaßnahmen bzw. Modifikationen.

Im anschließenden praktischen Teil wurden die anwesenden Helfer in vier Gruppen eingeteilt und durch die vier Ausbildungsstationen geschleust.

Erkannte Ausbildungs- und Gerätedefizite werden durch geeignete Ausbildungs- bzw. Beschaffungsmaßnahmen beseitigt.

Den Ausbildern des Ortsverbandes Bad Homburg/Oberursel an den vier Ausbildungsstationen, Christian Dienst, Holger Haupt, Oliver Kilb und Michael Rhein, möchte ich an dieser Stelle danken.

Text: Wolfgang Reuber

Fotos: Gerhard Erdmann, Hannes Kraft

Bildergalerie: "Unfall mit Zug - 4. Ausbildungstag"



Dateien:
tdpl_23_04_05.pdf62 Ki