Bad Homburg 12.02.2005

Unfall mit Zug - 2. und 3. Ausbildungstag

Um einen einheitlichen Grundwissensstand für alle Helfer zu Erlangen führte der Ortsverband einen geschlossenen Bahnlehrgang der Stufe 1, unter Ausklammerung der Brandbekämpfung, durch.

Die Rechtsgrundlagen für den Brandschutz und die allgemeine Hilfe im Bereich der Deutschen Bahn AG und anderen Betreibern von Bahnanlagen im Bahnerlass geregelt.

Unter anderem ist hier auch die Ausbildung von Einsatzkräften geregelt. Die Ausbildung erfolgt nach den Musterausbildungsplänen "Technische Hilfeleistung und Brandbekämpfung nach Bahnunfällen" in der Stufe 1 und 2. Bei der Stufe 2 handelt es sich um Führungsausbildung für Kräfte der Feuerwehr an der Feuerwehrschule in Kassel. Diese Lehrgänge sind nicht für Kräfte des Technischen Hilfswerkes.

Die Basisausbildung der Stufe 1 erfolgt für die Feuerwehren in den Landkreisen bzw. kreisfreien Städten in Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Notfallmanager der DB AG.

Um einen einheitlichen Grundwissensstand für alle Helfer zu Erlangen führte der Ortsverband einen geschlossenen Bahnlehrgang der Stufe 1, unter Ausklammerung der Brandbekämpfung, durch.

Die Rechtsgrundlagen, die ebenfalls Bestandteil der Ausbildung sind, wurden bereits am ersten Ausbildungstag (22. Januar 2005) behandelt.

Gefahren der Einsatzstelle

Im theoretischen Teil der Ausbildung wurden die drei Gefahrenbereiche des Eisenbahnbetriebes eingehend besprochen. Es handelt sich hierbei um:

Gefahren im Gleisbereich
Durch die Tatsache, dass die Schienengebundenheit der Schienenfahrzeuge ein Ausweichen vor einem Hindernis unmöglich macht, die hohen Geschwindigkeiten der Züge (bis zu 300 km/h), eine extreme Sogwirkung verursacht, dass lange Bremswege vorhanden sind und der niedrige Geräuschpegel der fahrenden Züge ein frühzeitige akustische Wahrnehmung erschweren, erfordern eine hohe Wachsamkeit beim Aufenthalt am Gleiskörper.

Gefahren durch Elektrizität
Eine weitere wesentliche Gefahr geht von der Oberleitungsanlage aus. Die Oberleitung steht unter einer ständigen Spannung von 15.000 Volt Wechselstrom. Dies erfordert die unbedingte Einhaltung der Sicherheitsabstände, bei nicht abgeschalteten Fahrstrom und ausgeführte Erdungsmaßnahmen. Maßnahmen zur Rettung von Personen die sich in unmittelbarer Nähe von spannungsführender Teile der Oberleitungsanlage (z.B. abgerissener Fahrdraht) befinden ist lebensgefährlich und darf nur nach Abschaltung und Erdung durchgeführt werden.

Gefahren durch Bahnfahrzeuge
Nicht zu unterschätzen sind ebenfalls die Gefahren, die von den Eisenbahnfahrzeugen selbst ausgehen können, da die Fahrzeuge mit Batterien für das Bordnetz (Spannung - 110 Volt /Säurefüllung) ausgestattet sind. Weitere Gefahrenpunkte können je nach Bahnfahrzeugtyp, Trafoöl , Hydrauliköl (Neigetechnik), Kältemittel (Klimaanlagen), Kraftstoffbehälter (Dieselfahrzeuge), Motor- und Getriebeöl, Wasser mit Frostschutz oder Druckluft (10 bar) sein.

Im gesamten Bahnbereich gilt deshalb der Grundsatz der absoluten Wachsamkeit.

Notfallmanagement DB

Die Wahrnehmung der erforderlichen Aufgaben im Notfallmanagement sind den Eisenbahninfrastrukturunternehmen (EIU) übertragen. Für den Bereich der Gleisanlagen liegt die Zuständigkeit in der Regel bei der DB Netz AG. Funktionsträger ist der Notfallmanager.

Hier wurde der Teilnehmerkreis umfassend über die Alarmierung, Aufgaben, Zuständigkeiten und Ausrüstung informiert.

Bahnerdung

In Ergänzung zum theoretischen Teil "Gefahren durch Elektrizität" wurde das Bahnerden, in der Praxis vorgeführt und die dazu notwendige Ausstattung vorgestellt.

Eindringen in Bahnfahrzeuge

Das Eindringen in Bahnfahrzeuge erfolgt nach vier Kategorien:

  1. über die Türen - Notöffnung von außen oder auch innen
  2. über die Seitenscheiben - Scheiben zum Öffnen/geschlossene (m. Rettungsgerät)
  3. über den Doppelwellenbalg (mit Rettungsgerät)
  4. an anderer Stelle (mit Rettungsgerät)

Innerhalb dieses Ausbildungsabschnittes wurde nur der Punkt 1 behandelt.

Zu diesem Zweck standen zwei Triebwagenzüge (S-Bahntriebzüge Baureihe 420 und 423 - DB) und ein Triebwagenzug der FKE (ältere Bauart) zur Verfügung.

Die gesamte Mannschaft teilte sich in 3 Gruppen auf und wurden durch die jeweiligen Triebwagenführer in die Triebwagenzüge eingewiesen. Die Bedienung der Notentriegelungen der Türen wurde vorgestellt und sonstige weitere Maßnahmen, die für einen Rettungseinsatz von Bedeutung sein könnten.

Rettungsübung

Innerhalb des Bahnlehrganges fanden zwei Rettungsübungen statt. Hierzu wurde die gesamte Mannschaft in 2 Züge (Stärke je ca. 20 Helfer) aufgeteilt. Jeweils eine Mannschaft stellte die Verletzten bzw. die Rettungskräfte. Die Ausbildung erfolgt im Wechsel.

Jeder der ca. 20 Verletzten trug ein Schild bei sich auf dem das Verletzungsmuster stand. Gehfähige waren in der absoluten Minderzahl. Die Verletzten waren auch entsprechend unter den Sitzen, verkeilt. so wie es nach einem Zugunfall aussehen könnte. Bei vier Verletzen war der Rettungsdienst schon tätig und hat eine Infusion angelegt (Erschwernis bei der Rettung).

Der Übungsauftrag lautete:
Eindringen durch die Türen und den Bahnwagon von Verletzten beräumen ( ein Bahnwagon = 1 Zug Rettungskräfte). Auch der rettungsdienstliche Aspekt fand entsprechende Anwendung.

Ziel war es, alle Verletzten, aufbauend auf die Ausbildung vom 22. Januar 2005, ordnungsgemäß und zeitnah mittels der verfügbaren Rettungsmittel zu retten.

Vorstellung und Bau des Schienenwagens

Zum Abschluss des Bahnlehrganges wurden beide Elemente vorgestellt und im Gleisbereich aufgebaut. Die Ausbildung am Schienenwagen und der Rettungsplattform erfolgt innerhalb des Ausbildungsdienstes im April. Der anwendungstechnische Einsatz wird innerhalb der Ausbildungsveranstaltung im Juni 2005 bzw. bei der Abschlussübung im September 2005 geübt.

Bei dem Schienenwagen handelt es sich um ein neues Elemente im Gerüstbausatzes des Ortsverbandes. Wo bei bemerkt sei, dass die Ausstattung immer einsatzmäßig auf einer Palette vorgehalten wird.

An dieser Stelle sei den Referenten Herrn Heller und Herrn Hoffmann für ihre Unterstützung gedankt.

Text: Wolfgang Reuber

Fotos: Gerhard Erdmann, Hannes Kraft, Daniel Krebs

Bildergalerie "Unfall mit Zug - 2. und 3. Ausbildungstag"